18. Oktober: Stadtrundfahrt in Assuan

Assuan

Start mit Hindernissen

Ich bin fix und fertig, mein Lachen von heute morgen ist mir vergangen, die Klimaanlage im Bus war so laut, hätte ich doch bloß die Ohropax mitgenommen. Mein Kopf droht zu platzen, kaum auf dem Schiff angekommen, wanke ich ins Bett. Das erscheint mir verlockender als das Mittagessen. Offensichtlich ging es noch mehr Leuten so – Diethard berichtet, dass die Reihen im Speisesaal heute sehr gelichtet sind. Ob ich heute Mittag um vier zur Stadtrundfahrt mitgehen kann? Das bezweifle ich sehr. Doch das lässt mein Liebster nicht gelten: „Hier, nimm zwei Vivimed und schlaf noch eine Weile. Dann bist du fit.“ Tatsächlich, zwei Stunden später krabble ich mühsam aus dem Bett und pünktlich um vier stehen wir unten in der Halle. Alleine. Wie, sind die anderen schon weg? Ein kurzer Blick auf den Plan zeigt: Die Uhrzeit wurde geändert. Treffpunkt 15.45 Uhr. Abfahrt 16 Uhr. Die andern sind schon weg. So ein Ärger. Schnell hasten wir hinterher, vielleicht holen wir sie doch noch ein?

An der Reling hält man uns an. „Felukke. Felukke. Kommen. Kommen.“ Hmm, sind die anderen vielleicht gar nicht mit dem Bus unterwegs, sondern mit der Felukke? Erst mal die Treppe hochrennen, gucken, ob man noch was sieht. Schließlich warten die Busse doch immer fünf Minuten, hat Amr uns gesagt. Der hat heute Mittag frei. Da er heute morgen viele Leute aus der Gruppe von Sayed mit dabei hatte, nimmt Sayed heute Nachmittag die Gruppe von Amr mit. Aber oben ist nichts zu sehen. Außer natürlich ein paar wirklich lästigen Typen. „Taxi, Taxi“ schallt es uns entgegen. Ich bin wütend. Wozu hab ich mich aus dem Bett gequält? Jetzt will ich auch was sehen. Wieso sind die so pünktlich losgefahren? Wussten doch, dass da noch zwei fehlen. Stinksauer fauche ich die drei Quälgeister an, die uns umzingeln. „Imshi“. Hoppla, die drei finsteren Gesichter zeigen: Das geht zu weit. Ich kriege Gänsehaut. Der eine sagt leise und mahnend: „Langsam, Frau, langsam...“

Diethard vergeht nun auch die Laune, schließlich hat er heute Mittag Kraft gebraucht, um seine kranke Frau zu ertragen und mich liebevoll mit Tabletten, Brötchen und Getränken versorgt. Er ärgert sich auch sehr, dass wir die Gruppe verpasst haben und winkt nun ab. Dann eben nicht. Aber nun bin ich wieder fit, und so schnell gebe ich mich nicht geschlagen. Wozu hab ich mich aus dem Bett gequält? Jetzt will ich gefälligst auch mit. Es ist zwar noch tierisch heiß jetzt um vier Uhr, aber in einer Stunde ist die Sonne weg und dann wird’s erträglich. Es muss doch eine Möglichkeit geben, die Gruppe noch einzuholen.

„Komm, wir lassen uns an der Rezeption die Handy-Nummer von Sayed geben“, sage ich zu Diethard. Er hat doch gesagt, dass sie zuerst zu einer Moschee gehen. „Vielleicht erwischen wir sie noch.“ Die Nummer ist schnell gefunden, der Portier wählt und wählt, aber: „in Moschee nix Handy”, zuckt er nach dem 10. Versuch die Schultern. Fehlanzeige. Welche Moschee es ist, fragt er, das wissen wir nicht.

„Amr? Ist der da?“ Das ist der rettende Einfall. Der Portier telefoniert mit Amr und legt auf. „Du mit Taxi fahren zu Moschee? Sende Mann mit.“ Na gut. Sayeds Telefonnummer haben wir nun auf einem Zettel, den Namen des Schiffs auch für alle Fälle. Was darf die Taxifahrt kosten? Zehn Pfund für zwei Leute. Okay. „Für mich selber Preis wie Touristen“, sagt derMann an der Rezeption.

Ein nubischer Mitarbeiter vom Schiff läuft uns voran, wir hinterher. „Frau, alles wieder gut?“ fragt oben der, der mich zur Ruhe gemahnt hat. Ich lächle ihn entschuldigend an. Unser Nubier winkt einem vorüberfahrenden Taxi, das sofort anhält. Wir wollen einsteigen, als plötzlich ein Hexenkessel losbricht. Die drei Taxifahrer beschimpfen unseren Nubier aus vollem Hals. Warum hat er einen anderen gerufen? Das wissen wir auch nicht. Hört sich aber so an, als wollten sie gleich das Messer ziehen. Ein paar andere Ägypter kommen auch noch aus irgendwelchen Löchern gesaust, wir stehen hilflos mitten im Geschrei. Klingt sehr authentisch hier, wie mitten im Leben, nicht extra inszeniert für Touristen. Ich will in das gerufene Taxi einsteigen, doch einer zieht uns weg. Über die Straße. Also gut, dann steigen wir halt dort ein. Zu unserer Überraschung und Erleichterung fährt der Nubier mit. Wunderbar. Der Taxifahrer bekommt seine 10 EL, ca. 1,20 Euro. Der Nubier steigt aus und läuft voran.

 

 

 

An der Moschee

Eine große Treppe, die hoch zu der gewaltigen Moschee führt. Am Eingang zieht er die Schuhe aus, bedeutet uns mit einer Handbewegung zu warten, und kommt dann lächelnd zurück. Tatsächlich, da hinten in der Ecke sitzt unsere Gruppe, teils auf dem Boden, teils auf Bänken. Ha, geschafft. Wir freuen uns riesig und strahlen über alle Backen. Leider hab ich kein Kleingeld für unseren Nubier, aber wir werden nachher schon noch an ihn denken. Die Gruppe guckt erstaunt. „Wo kommen die denn jetzt her?“

Von der Moschee selbst bekommen wir nicht mehr viel mit, aber Sayed erzählt über den Islam, sein Volk, über die Meinung, die verbreitet wird. „Wir sind keine Terroristen“, sagt er nachdrücklich. „Die Presse ist schuld, dass viele so etwas glauben. Im Ausland glaubt man auch, dass alle Deutsche Nazis sind. Die Presse ist an vielem schuld, da wird einseitig berichtet und Vorurteile geschürt.“ Ein Gast hatte ihm einen Artikel aus einer deutschen Zeitung mitgebracht, in dem Moslems alle als Terroristen hingestellt wurden. „Wenn das meine Leute lesen würden, die wären entsetzt."

 


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