17. Oktober: Im Nubier-Dorf Assuan |
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Im Nubier-DorfEine wunderschöne Fahrt auf dem Nil erwartet uns. Vorbei an teilweise tollen Häusern und Hotels, hier leben die Gutsituierten. Langsam verlassen wir die Stadt und biegen auf romantische Seitenarme ein. Schilf und bizarr geformte Felsen im Wasser. Stolze Vögel obendrauf. Das sind wohl die „verschiedenen Vögelarten“, von denen Amr uns im Bus erzählte, woraufhin alles breit grinste. Badende Fischer am Ufer, drei Meter daneben einträchtig badende Wasserbüffel. Nicht weit entfernt eine knatternde stinkende verrostete Wasserpumpe – Hauptsache, sie funktioniert. Palmen am Wegesrand wechseln sich ab mit Sanddünen und Felsen. Frieden zieht ins Herz und Dankbarkeit, all diese schönen Dinge erleben zu dürfen. Da sind sich alle einig: Diese Bootsfahrt sollte jeder Besucher mitmachen, es wäre schade, sie zu verpassen. Hier in diesen Seitenarmen ist das natürlich ein ganz anderes Erlebnis als auf dem großen Schiff – man fühlt sich der Natur viel näher und erlebt die Umwelt mit allen Sinnen. Auch mit dem Gehör. Denn plötzlich schallen erstaunliche Laute ans Ohr. Von vorne und hinten, von rechts und links ertönt das Lied „Alle Vögel sind schon da.“ Aber woher? Suchende Blicke übers Wasser. Nichts zu sehen. Suchende Blicke nach oben. Fehlanzeige. Es dauert sicher eine Minute, bis wir die Quelle ausgemacht haben. Dunkelhäutige lachende Kinder sind unbemerkt herangeschwommen, haben sich rund ums Boot postiert und singen aus vollem Hals ihr Lied. Die hätten nun wirklich ihr Trinkgeld verdient, aber bis wir sie registriert haben und nach Münzen suchen, ist der „Spuk“ schon wieder vorbei und sie schwimmen winkend weg.
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In dem Dorf, das wir nun erreicht haben, leben die Nubier zwar unter sich, sind aber auf Touristen eingestellt. Ihre Häuser sind eng aneinander gebaut, aus Lehmziegeln, Strohmatten als Dach, die möglichst viel Schatten bieten – der Blick in die Hinterhöfe offenbart Armut. Viele Hütten sind hübsch bemalt. Das Wasser wird im Dorfzentrum vom Brunnen geholt. Wir besuchen zuerst eine nubische Schule, in der auch eine Krankenstation untergebracht ist. In der Schule bekommen wir auch Unterricht. Wir quetschen uns auf den blauen Bänken in dem kleinen Unterrichtsraum zusammen, eine sympathische Lehrerin mit breiten Hüften und humorvoll blitzenden Augen wartet schon auf uns, schreibt nubische Zahlen an die Tafel, sagt sie vor, deutlich, mit lauter Stimme, den drohend erhobenen Stock in der Hand. Wir alle nuscheln im Sprechchor die fremden Laute nach. Sie amüsiert sich köstlich über unsere falsche Aussprache und korrigiert energisch. Zwei oder drei Leute pickt sie heraus, die die Zahlen allein wiederholen müssen. Mich natürlich auch. Und natürlich hab ich sie wieder vergessen. Ich fühle mich fast wie früher in der Schule... Ihre Augen blitzen strafend. Alle schauen mich an. Mein Gatte steht in der Tür, fotografiert und grinst sich eins. Als wir lachend den Raum verlassen, lächelt Amr: „Eine schöne Frau, nicht wahr? Sie würde mir gut gefallen.“ Wir müssen uns beeilen. Bald wird es dunkel. Wir laufen durch das Dorf, es sind zwar Verkaufsläden aufgebaut, aber die meisten leer, von Erwachsenen werden wir wenig angesprochen, dafür von vielen Kindern. Sie haben bunte Holzpuppen bei sich, die sie verkaufen wollen. „Später, später“. Den Ausdruck kennen auch die Kleinsten. „Hier lang“, zeigt Amr auf einen großen schattigen Hof. Ein Open-Air-Wohnzimmer, sozusagen. An drei Wänden stehen Holzbänke, bedeckt mit Teppichen, Tische dazwischen. Gemütlich hier. Eine Tasse Tee für jeden, ein kleines Kind im Hof, das uns staunend anschaut, sicher an der Hand eines Erwachsenen. Wenn wir unbedingt wollen, meint Amr, dann fragt er, ob wir auch in die Wohnräume hineinschauen dürfen. Neugierig wären wir schon, aber die Privatsphäre will auch niemand stören. Ich hätte auch keinen Spaß dran, wenn Horden von Fremden durch mein Schlafzimmer marschieren würden. – Also gehen wir weiter, obwohl niemand die Hand aufhält, drehen sich fast alle Touristen um und geben freiwillig ein Bakshish. Wenig später sind wir wieder alle versammelt auf dem Motorboot, und tuckern denselben Weg zurück, den wir gekommen sind. Solange bis der Motor spuckt und meutert. „Das soll wohl ein Scherz sein?“, fragt eine junge Frau mit gerunzelter Stirn. Nein, es ist kein Scherz. In spätestens einer Stunde wird es dunkel sein. Was dann? Doch der Bootsführer nimmt’s gelassen. Er ist wohl daran gewohnt. Es dauert fünf Minuten, dann bekommt er den Motor wieder an. Wir klatschen, er lächelt. Der Motor hustet und würgt, aber er arbeitet dann doch wieder gleichmäßig. Wenige Minuten später nehmen wir sogar eine Felukke ins Schlepptau, die auf dem windstillen Wasser festliegt. Die drei Touristen darauf atmen sichtlich erleichtert auf, als sie wieder in Gesellschaft sind und sich fortbewegen. Ein Sommerabend an DeckWir sind zurück. Das übliche Ritual, an das man sich schnell gewöhnt: Heiße Tücher. Heißer Tee im Foyer. Ein kühler Cocktail oben auf dem Sonnendeck. Noch mal den Tag reflektieren. Ab zum Abendessen ins klimatisierte Restaurant. Anschließend wieder Aufwärmen am Sonnendeck, das nachts eine ganz eigene Atmosphäre hat. Schön mit all den Lichtern drumherum, dem Plätschern des Nils, der lauten Sommernacht. So romantisch. Und wenn man vorne an der Reling steht, könnte man sich einbilden, man sei alleine zu zweit hier. Was für ein wunderschöner Urlaub – immer wieder freuen wir uns über all das, was wir hier erleben und genießen dürfen. Als wir wieder zurückschlendern, dorthin wo die anderen sitzen, ist bereits ein Quizabend in vollem Gange. Niki, unser Animateur, sitzt am Tisch, hat Karten an die verschiedenen Gruppen ausgeteilt, und stellt die Fragen, jeweils auf englisch und französisch. Eigentlich sollte man ja die richtige Antwort auf die Karte schreiben und an seinen Tisch bringen. Doch er hat die Rechnung ohne das Nachbarschiff gemacht. Das liegt ja direkt neben uns, die Gäste langweilen sich, sie hören seine Fragen und rufen die Antworten blitzschnell herüber. Niki schimpft, was die Gäste gegenüber nicht sonderlich beeindruckt. Wir verziehen uns bald ins Bett. Morgen wird’s nämlich wirklich hart. Der Tempel Abu Simbel steht auf dem Programm. 280 km mit dem Bus. Eine Strecke. Wecken um 3.45 Uhr. Aber es soll sich lohnen, verspricht Amr. Ohne die Besichtigung dieses berühmten Tempels, der in einer großen internationalen Aktion nach dem Bau des neuen Assuan-Staudammes komplett abgebaut und 64 m höher wieder aufgebaut wurde, ist ein Ägyptenbesuch nicht komplett. |
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