Der unvollendete Obelisk
Deutsche sind halt zivilisierte Leute. Amr ist zufrieden mit uns. Um 7 Uhr sitzen wir brav im Bus, natürlich immer schön auf demselben Platz. Der unvollendete Obelisk von Assuan ist heute unser erstes Ziel. Nur wenige Meter mit dem Bus. Aussteigen im Steinbruch. Wir klettern über die Steine hoch zum querliegenden Obelisk. Ein Riss geht mitten durch, damit ist er auch wertlos. Trotzdem ein gewaltiger Anblick. Man bekommt eine kleine Vorstellung von der Arbeit und Mühe, die dahinter steckt, so etwas zu errichten und zum Bestimmungsort zu transportieren.
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Zum Assuan-Damm
Der Bus wartet. Davor Händler mit einem hübschen farbenfrohen kleinen Instrument in der Hand, das fürchterlich quietschende Töne von sich gibt. „Rabarba“, so ähnlich heißt das Ding, das eine Touristin kauft. Sie soll es spielen im Bus, verlangen wir, aber sie schafft es nicht. Es ist grade mal halbacht, aber schon brennt die Sonne wieder erbarmungslos vom Himmel, während wir weiterfahren zum Staudamm von Assuan. Der alte Staudamm war bei seiner Inbetriebnahme 1902 die größte Talsperre der Welt. Ursprünglich war die Höhe der Staumauer 30,5 m, nach zwei Erweiterungen 1934 sind es 52 m. 1902 fasst der Stausee von über 300 km Länge 1 Mrd. m³ Wasser, 1934 schließlich 5,4 Mrd. m³. Eine unvorstellbare Menge. Nun war Ägypten zum erstenmal in der Lage, eine um 16% größere Nutzfläche stetig zu bewässern und dadurch die Ernte um ein Drittel zu steigern. Allerdings steht dem ein ungebremstes Bevölkerungswachstum gegenüber.
„Ein Segen ist er für uns“, sagt Amr. „Jetzt haben wir Wasser, wir können viermal im Jahr ernten. Aber gleichzeitig bringt er auch viele Nachteile mit sich. Die Versalzung verschlechtert die Qualität des Wassers und erfordert künstliches Düngen der Böden. Kunstdünger aber laugt die Böden aus und die Ernten werden geringer. Früher sorgte der kalihaltige Nilschlamm, der nun hinter dem Damm im Nasser-Stausee brach liegt, für eine natürliche Düngung der Felder. Außerdem kämpfen die Bauern immer mehr gegen Ratten-und Mäuseplagen – früher sorgten die Fluten für das natürliche Gleichgewicht, auch bei den Schädlingen. Das Klima Oberägyptens hat sich geändert – waren früher in Assuan Regenfälle völlig unbekannt, regnet es nun jedes Jahr.“ Amr zuckt die Schultern. „Und – vor allem, der Staudamm macht uns angreifbar. Wenn der Staudamm bricht, ist ganz Ägypten überflutet.“
Berechnungen haben ergeben, dass praktisch ganz Ägypten bei einem Dammbruch von einer 160 m hohen Flutwelle hinweggerissen würde. Deshalb wird er auch sehr bewacht. Die Fahrt nach Abu Simbel beispielsweise ist für eine Busfahrt ziemlich teuer 83 Euro pro Person. „Das meiste kosten die Sicherheitsvorkehrungen“, sagt Amr.
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