Samstag, 16. Juni 2007
Spittal Fields, Bishopsgate, Monument und entlang der Themse

Spittal Fields

Was nun? SPITAL FIELDS, hat Lars geschrieben, da gäbe es einen schönen Markt mit guten Klamotten und die BRICK LANE, auf der meistens ein buntes Künstlervolk anzutreffen sei, gefällt ihm gut. Wir raffen unsere Kräfte zusammen, ignorieren die schmerzenden Füße und machen uns auf zur VICTORIA STATION, die wirklich auch sehenswert ist. Wo ist der Markt? Ein paar Straßen weiter. Sicher gerade geschlossen, unkt Diethard. Er hat recht.

Wo ist die Brick Lane? Es ist ja noch früh am Abend, erst sechs. Wir werden heute abend aber sicher nicht lange durchhalten. Jetzt schon steht der Schrittezähler auf 18.000. Wir bezweifeln zwar, dass um diese Zeit schon Leben ist, schlendern aber trotzdem die Brick Lane entlang. Ein Lokal neben dem anderen, gemütlich und einladend. Vor jedem steht ein Anreißer, der versucht, die Passanten in sein Lokal zu locken. Aber wir haben nicht wirklich Hunger und die Kneipen sind noch ziemlich leer.

In einem Straßencafe in einer Durchgangsstraße herrscht allerdings Leben. Es ist sehr voll, wir ergattern einen Platz vorne auf einer Bank, haben sowohl die Straße vorne im Blick als auch das Cafe. Ein hoher Lärmpegel, lauter junge Leute, angetrunkene Mädchen mit großem Ausschnitt und knallengen Klamotten, ein Mann hat den Kopf auf den Tisch gelegt und schläft, eine Haltung, die ich öfter mal am frühen Abend in Londoner Kneipen sehe. Bier gibt’s drinnen im Lokal. Muss man sich natürlich selbst holen.

Ein Türsteher hat einen Betrunkenen im festen Griff und schleppt ihn auf die Straße. Dann steht er wieder an der Tür, tastet Gäste ab, ich darf ohne Durchsuchung aufs Klo. Eine Band baut das Equipment im Hof auf, eine andere Band zieht los, die Instrumente unterm Arm. Einerseits würden wir hier gerne noch bleiben und die Nacht erleben, andererseits ziehts uns nach Hause, es wird auch langsam kalt. Scheint die Londoner nicht zu stören, was uns jeden Tag von neuem auffällt. Die meisten Mädels sind im weit ausgeschnittenen Kleid oder Top unterwegs im kalten Wind, anscheinend abgehärtet, während wir sonnenverwöhnten Deutschen schon längst frierend zur wärmenden Jacke greifen.

Die Beine sind wieder ausgeruht, fit für einen weiteren langen Spaziergang in dieser schönen Gegend mit viel Flair. Alte Häuser stehen einträchtig neben moderner Architektur. Jetzt sind wir schon so weit gekommen, jetzt schaffen wir es auch noch zur Themse, durch das Geschäftsviertel Bishopsgate, schließlich am Monument vorbei.

Wir genießen die Aussicht, gehen über die Tower Bridge, umrunden den Tower. Die Abenddämmerung lässt uns frösteln. Je kaputter die Füße werden, umso leerer der Magen. „Fish and chips“, das müssen wir unbedingt noch probieren. Früher hätte es das an jeder Straßenecke gegeben, inzwischen – so laut Reiseführer – müsse man danach suchen.

In Bayswater, kurz vor unserem Hotel, gibt’s fisch & chips, das haben wir auf einem Schild gelesen und beschließen, den Abend gemütlich dort zu beenden. Gegen 21 Uhr laufen wir ein, doch die Kitchen hat gerade geschlossen. Während an den Tischen nebenan noch die letzten köstlich duftenden Teller ausgeteilt werden, kriegen wir nix mehr: just vor 5 Minuten ist die Küche geschlossen worden. Hmm, dann müssen wir den Hunger halt mit Bier und deutscher Schokolade, die reichlich in unserem Hotelzimmer vorhanden ist, betäuben...

 

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