Inhalt



Kuba-Rundreise 2012

Flug nach Holguin

Hotel in Don Lino und Kubanische Standards

Birán – Fidel Castros Geburtsort

Kubanischer Alltag in Holguin

Bariay, Indianertänze und geworfenes Eis

Besuch in Holguin

Stadtbesichtigung in Bayamo

Im Hotel in Bayamo

Bayamo – Las Tunas – Santa Lucia (ca. 170 km)

Santa Lucia

Camagüey

Sancti Spiritus und das Tal der Zuckermühlen

Trinidad

Cienfuegos und Fahrt nach Havanna

Havanna

Havanna: Rummuseum und Altstadt

Kutschfahrt durch Havanna

Buena Vista Social Club

Havanna – Viñales – Havanna (410 km)

„Mural de la Prehistoria“ und Vinales

Auf Hemingways Spuren

Festung „San Carlos de Cabana“ und die Altstadt

Havanna – Guamá – Santa Clara - San José del Lago (425 km)

Che Guevara Memorial in Santa Clara

San Jose del Lago – Guardalavaca (460 km)

Ausgesperrt im Hotel Brisas

Entspannende Tage im Hotel Brisas

Auf dem Weg nach Hause

Kuba heute und morgen




Zu unseren anderen Reiseberichten, Impressum etc.

15.12.2012

Che Guevara Memorial in Santa Clara

Che-Guevara-Memorial


Nach dem Mittagessen in einem wie üblich schönen Restaurant – anders als unsere Autobahnraststätten, bei denen Gruppen oft abgeladen werden – geht‘s weiter nach Santa Clara.

Che Guevara Memorial in Santa ClaraBald kommen wir beim Che Guevara-Mausoleum in Santa Clara, diesem Mann, dessen Bilder in Kuba fast allgegenwärtig sind, nicht nur dieses Foto von Alberto Korda, eines der am meisten reproduzierten Bilder der Welt. Der 31jährige Che erscheint hier wie eine Mischung aus Jesus, Popstar, Visionär und Revolutionär.

Hier in Santa Clara sind seine Überreste nun aufgebahrt. Die Einnahme dieser Region gilt als die größte militärische Leistung von Che Guevara. Hier – am Ort seines größten Triumphs – wurde das beeindruckende Ché-Guevara-Memorial auf dem riesigen „Placa de la Revolución“ geschaffen. Der Mittelpunkt der Denkmalanlage ist eine mächtige sechs Meter hohe Bronzestatue Che Guevareas. Das Mausoleum selbst, das sehr stilvoll erbaut wurde, erinnert an eine Höhle. Hier sind , - zusammen mit einigen persönlichen Gegenständen - die sterblichen Überreste von Che Guevara beigesetzt, sowie von 38 Kampfgefährten und der einzigen Frau, die bei Che Guevaras Kampf in Bolivien dabei war. Ein Ort, der nachdenklich macht.

Ché Guevaras Abschiedsbrief an Fidel Castro

Fidel,
ich erinnere mich in dieser Stunde an viele Dinge, als ich Dich im Haus von Maria Antonia kennen lernte, als Du mir vorschlugst zu kommen, an die ganze Spannung der Vorbereitungen.

Eines Tages kamen sie vorbei und fragten, wen man im Todesfalle benachrichtigen solle, und die echte Möglichkeit der Tatsache bestürzte uns alle. Danach erfuhren wir, dass es wahr war, dass man in einer Revolution triumphiert oder stirbt (wenn es eine richtige ist). Viele Genossen blieben auf dem Weg zum Sieg zurück. Heute hat alles einen weniger dramatischen Ton, weil wir reifer sind, aber die Tatsache wiederholt sich. Ich fühle, dass ich den Teil meiner Pflicht erfüllt habe, der mich an die cubanische Revolution auf ihrem Gebiet band, und ich verabschiede mich von Dir, von den Genossen und von deinem Volk, das auch meins ist. Ich verzichte formell auf meine Ämter in der Parteiführung, auf meinen Ministerposten, auf meinen Rang als "Commandante", auf meine cubanische Staatsangehörigkeit. Kein Gesetz bindet mich an Cuba, nur Bindungen anderer Art, die man nicht wie Ernennungen brechen kann.

Wenn ich mein vergangenes Leben resümiere, glaube ich, mit genügend Ehrenhaftigkeit und Hingabe gearbeitet zu haben, um den revolutionären Triumph zu festigen. Mein einziger Fehler von einiger Schwere ist gewesen, Dir nicht noch mehr vom ersten Augenblick der Sierra Maestra an vertraut zu haben und nicht schnell genug Deine Eigenschaften als Führer und Revolutionär verstanden zu haben. Ich habe großartige Tage erlebt und fühlte an deiner Seite den Stolz, in den glänzenden und traurigen Tagen der Karibikkrise zu unserem Volk zu gehören. Selten hat ein Staatsmann mehr als in jenen Tagen geglänzt, ich bin auch stolz darauf, Dir ohne zu Schwanken gefolgt zu sein und mich mit Deiner Art zu denken, zu sehen und die Gefahren und Prinzipien zu würdigen, identifiziert zu haben.

Andere Gegenden der Welt verlangen die Unterstützung meiner bescheidenen Kräfte. Ich kann tun, was Dir wegen Deiner Verantwortung gegenüber Cuba versagt ist, und die Stunde unserer Trennung ist gekommen. Sie sollten aber wissen, dass ich es mit einer Mischung aus Freude und Schmerz tue; hier lasse ich meine reinsten Hoffnungen als Erbauer und das Liebste meiner geliebten Wesen zurück...und ich lasse ein Volk zurück, das mich wie einen Sohn aufgenommen hat; das zerreißt einen Teil meines Geistes. Auf die neuen Schlachtfelder werde ich den Glauben tragen, den Du mir beibrachtest, den revolutionären Geist meines Volkes, das Gefühl, die heiligste meiner Pflichten zu erfüllen: gegen den Imperialismus zu kämpfen, wo immer er sich befindet; das stärkt und heilt reichlich jede Zerrissenheit.

Ich sage noch einmal, dass ich Cuba von jeder Verantwortung freispreche außer der, die aus seinem Beispiel kommt. Wenn für mich die endgültige Stunde unter anderem Himmel kommt, wird mein letzter Gedanke diesem Volk und besonders Dir gelten. Ich danke Dir für deine Lehren und Dein Beispiel, dem ich versuchen werde treu zu sein bis zu den letzten Konsequenzen meiner Handlungen. Ich habe mich immer mit der Außenpolitik unserer Revolution identifiziert und tue es auch weiterhin. Wo immer ich auch bin, werde ich die Verantwortung fühlen, ein cubanischer Revolutionär zu sein und als solcher werde ich handeln. Ich hinterlasse meinen Kindern und meiner Frau keine materiellen Güter, und das tut mir nicht Leid: es freut mich, dass es so ist. Ich bitte um nichts für sie, denn der Staat wird ihnen genügend für ihr Leben und ihre Erziehung geben. Ich müsste Dir und unserem Volk viele Dinge sagen, aber ich fühle, dass sie unnötig sind; die Worte können nicht das ausdrücken, was ich möchte, und es ist nicht der Mühe wert, Blätter vollzuschmieren.

Immer bis zum Sieg! Vaterland oder Tod!

Es umarmt Dich mit ganzer revolutionärer Hingabe

Che
Das Innere der Gedenkstätte ist sehr beeindruckend, strahlt Ruhe und vor allem Würde aus. Eine ewige Flamme leuchtet in dem abgedunkelten Raum, in dem in der Wand Nischen mit den Überresten der Revolutionäre von in Stein gehauenen Bildnissen bedeckt sind. Der Platz Che Guevaras ist hervorgehoben. Die Decke ist wie eine Höhle gestaltet, aber aus Holz. Fotografieren ist hier verboten, und selbst eine Suche im Internet fördert nur ein oder zwei Fotos ans Tageslicht, z.B. dieses.


„Bitte kommen Sie“, drängt Gloria. „Wir müssen noch eine Weile fahren.“ Alle sind im Bus. Bruno nicht. Weit und breit ist er nicht zu sehen. Zehn Minuten verstreichen, Gloria läuft los, um ihn zu suchen. Da kommt er dann doch hinter dem Gebäude vor. Statt zum Bus geht er dann erst mal in aller Seelenruhe zur Toilette.

Jetzt reicht‘s wirklich, die Geduld ist erschöpft. Die Touristen im Bus sind sauer. Als er dann endlich angelaufen kommt, fährt Monika ihn barsch an. „Langsam ist das nicht mehr lustig, sondern echt nervig. Ist ja kein Problem, wenn das einmal passiert, aber nicht jedes Mal.“ Gloria lächelt leise in sich hinein. Als Reiseleiterin kann sie sich den Ton nicht erlauben. Aber – wie sich in Zukunft zeigt – es hilft. In Zukunft ist Bruno immer pünktlich da.

Auf der Weiterfahrt liest Gloria den im Memorial ausgestellten Abschiedsbrief Che Guevaras an Fidel Castro vor, als er 1965 seine Ämter in Kuba niederlegte, um andere revolutionäre Bewegungen in der Welt zu unterstützen. Die Authentizität dieses Briefes ist angeblich umstritten, wenn er aber echt ist, dann zeugt er von einer tiefen, revolutionären Überzeugung und gleichzeitiger Bescheidenheit. Nach dem Eindruck des Memorials geht einem dieser Text durchaus nahe.

San José


Als es dunkel ist, kommen wir San José an. „Wir sind auch nur eine Nacht da“, sagt Gloria. „Es ist eine einfache, bescheidene Bungalowanlage, aber sehr schön. Meistens übernachten hier Naturliebhaber. Man tut zwar viel für die Sauberkeit, aber manchmal gibt’s Frösche in den Zimmern.“

Wieder das Spiel, das wir schon kennen. Im Dunkeln irren Touristen mit ihrem Gepäck herum auf der Suche nach ihrem Zimmer. Die meisten haben aber inzwischen die Taschenlampe parat. Unser Zimmer entpuppt sich als sehr geräumig und gemütlich eingerichtet. Tatsächlich, in der Dusche sitzt ein kleines Fröschchen hinter der Tür. Wir lassen ihn sitzen, später ist er nicht mehr zu sehen, am nächsten Morgen begrüßt er uns wieder irgendwo an der Wand sitzend.

Das Restaurant ist allerdings nicht gemütlich, sondern strahlt den Charme einer Arbeiterkantine aus den 60er Jahren aus. Die (unvermeidliche) Band produziert in der kahlen Umgebung einen fürchterlichen Klangbrei, möchte man sich unterhalten, geht das nur schreiend. Die meisten verlassen den Raum daher auch wieder so schnell wie möglich.

Wir treffen uns in der Bar. Und da wird’s richtig gemütlich – mit viel Rum, Spaß und Gelächter. Kostet der Rum echt nur 1 CUC? Na, dann bitte noch einen! Und Zigarren und Zigarillos werden ausgepackt. Auch Monika, die seit mehr als 30 Jahren Nichtraucherin ist, lässt sich zum Zigarillo verführen.



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