10. Juli: Besuch im Dorf
Zum Frühstück gibt es Omelette, Toast, Marmelade und Honig, dazu ein wenig Obst. Gemeinsam mit der deutschen Gruppe machen wir uns dnach auf zum gemeinsamen Spaziergang durch ein kleines Dorf, an einem kleinen Berg gelegen. „Wenn Sie etwas dabei haben“, meinte Ronny in seinem gut verständlichen Englisch beim Frühstück, „Bonbons oder Kulis, dann können Sie das heute Morgen mitnehmen.“ Ich habe. In unserem Koffer befinden sich etliche Kilo Gewicht durch mitgebrachte Kulis, Wachsstifte, Bleistiftmäppchen, kleine Spielzeugtiere, und natürlich auch Bonbons.Wir fahren durch staubige rote Straßen und begegnen vielen sonntäglich gekleideten Kirchgängern. „Es gibt mehrere Kirchen“, erklärt ein Guide, den wir noch nicht kennen. „Wo ist Joseph?“ fragen wir ihn. „Heute frei, er hat eine kleine Katze“, antwortet der Guide in Englisch. Es dauerte eine Weile, bis wir verstehen, dass er einen „kleinen Kater“ meint und haben viel Spaß an dieser neuen Wortschöpfung.
Aussteigen. Wir laufen an einfachen Hütten vorbei, die immerhin aus Stein gebaut sind. „Jeder Mann muss zum Haus auch eine Toilette bauen, die steht außerhalb der Hütte.“ Viele Kinder versammeln sich erwartungsvoll um uns und mustern unsere Taschen. Ob da was drin ist für sie?
Aus einem Haus dringen laute Stimmen. Es ist eine Kirche, hören wir, in der gerade eine Messe gefeiert wird. Ob wir einen Blick reinwerfen dürfen? Hakuna matata – kein Problem. Erstaunt sehen wir, dass da nicht, wie nach dem Lärmpegel erwartet, eine große Menge betet, sondern nur fünf Männer und eine Frau. Jeder steht in einer Ecke, voneinander abgewandt, das Gesicht zur Wand, sie schreien und flehen, es klingt leidenschaftlich und anklagend. „Sie reden mit Gott“, sagt der Führer. Schnell verziehe ich mich von der Tür, peinlich berührt ob meiner Neugierde, die die Leute sicher beim Gebet gestört hat.
Draußen sind wir sofort umringt von Kindern. „Pens?“ Sie rücken mir zu nahe auf die Pelle, ich werde wütend. „Wenn ihr nicht weggeht, kriegt ihr gar nichts. Ich brauche Platz um mich.“ Mein Englisch ist zwar nicht gut, aber die Botschaft kommt rüber und sie verhalten sich einigermaßen diszipliniert. Wir steigen den Berg hinauf, die Sonne brennt, und unsere kleine Prozession wächst stetig.
Oben angekommen, erschließt sich uns ein toller Blick weit über die Savanne. Silke mit ihren scharfen Augen erspäht Elefanten: „Schaut mal dahinten, die schwarze Linie.“ Wir anderen sehen sie nur mit dem Fernglas, oder auch gar nicht. Wir lassen uns nieder zu einer Ruhepause auf einem Felsplateau, um die Aussicht zu genießen, dann geht‘s wieder zurück auf dem kleinen Weg, am Elektrozaun entlang.
Unterwegs erzählt unser Guide, dass jeder Mann zwar mehrere Frauen haben dürfe, die meisten aber trotzdem nur 1 Frau hätten und es wenige Kinder gäbe – das Klima wirke sich aus, die Ernten seien nicht gut, es gäbe nicht viel zu essen. Später lesen wir einen Artikel in der Zeitung, der das bestätigt. Seit 1995 gibt es demnach in Trockenheit eine große Dürreperiode und ein Drittel der kenianischen Bevölkerung leide Hunger.
Hier am Nationalpark bringen die Touristen Arbeit und Nahrung. Auf dem Rückweg fahren wir nach Voi, in einen Supermarkt. Wir sind erstaunt über das reichhaltige Sortiment, das ordentlich aufgereiht angeboten wird. Gezahlt wird an Scannerkassen und die Preise gleichen denen in Deutschland. „Einheimische kaufen meistens nur die Grundnahrungsmittel wie Mais und Rais“, sagt George. Zum Supermarkt gehören auch eine ganze Reihe von Internetplätzen. Die Hälfte ist besetzt, erstaunlicherweise fast nur Frauen.
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