Mensch, haben wir ein Schwein gehabt mit dem Wetter. Die Tage vorher war es ja wirklich stürmisch, und auch am Sonntag hatten wir den ganzen Tag bang zum Fenster geblickt, nach der Sonne gesucht, die Regenwolken und den heftigen Sturm verflucht und gewartet, was das Infoband um 17.15 Uhr verkünden würde. "Hier ist Ihr Pilot. Wir fahren heute. Bitte kommen Sie pünktlich zum Start um 18.45 Uhr." Jetzt brach Hektik bei uns aus, warme Klamotten wurden in die Tasche gestopft, beinahe hätte ich sämtliche Flugscheine vergessen. Hinterm Schloss waren schon die ersten versammelt. Unser schicker Pilot und der Hänger mit dem Ballon kam auch bald. Insgesamt 18 Passagiere - davon zehn Leute vom Freizeittreff - standen herum, scharrten mit den Füßen und beäugten kritisch das Geschehen. "Und? Testament gemacht?" Solche Bemerkungen waren des öfteren zu hören....
Der Korb wurde im Rasen aufgestellt. "Alle einsteigen". Füße in die Trittlöcher, gar nicht so einfach für Ungeübte, hochzuklettern und sich in eine der Kammern zu schwingen. Etliche Zuschauer hatten sich zwischenzeitlich eingefunden. Die Sonne strahlte vom Himmel, wir auch, hatte doch keiner von uns damit gerechnet, dass der Ballon heute starten konnte. "Zuhören. Ich zeige die Start- und Landeposition. Ganz wichtig..... Den Rücken zur Fahrtrichtung. Leicht in die Knie gehen, aber keinesfalls in die Hocke oder gar auf den Boden setzen. Frauen nach vorn, den Kopf gebeugt, die Hände in den Halteschlaufen, die Männer dahinter." Der Mann im roten Anzug griff sich Ute und demonstrierte die Stellung. "Alles wieder aussteigen.
Der schwere Korb wurde umgelegt und der Ballon auf den Rasen gelegt. Noch ein unscheinbarer bunter harmloser Schlauch. "Bitte alle an den Ballon. Schulter an Schulter. Den Ballon ausbreiten." Alles bückte sich, Schulter an Schulter, zog und zerrte an dem unscheinbaren Schlauch, der sich immer weiter ausbreitete. "Zwei Männer werden gebraucht". Und schon standen Kurt und Matthias rechts und links, hielten die Ballonenden fest, während zwei Ventilatoren Luft in das schlaffe riesige Stoffgebilde bliesen, und die zierliche Chefin des Unternehmens, die in der Mitte stand, fast umwarfen. Das Aufblasen des Riesenteils dauerte seine Zeit. Die Fotoapparate glühten fast, so viele Bilder wurden gemacht. Die Hülle blähte sich langsam auf, während wir alle die Hälse reckten, um einen Blick aufs Innere zu erspähen. Der Pilot zündete die Flamme - Kurt und Matthias gerieten ins Schwitzen - dann sprang er in den Korb und winkte. "Schnell einsteigen". Wir standen schon Spalier, einer nach dem andere hangelte sich hoch und plumpste in den Korb. Ging schon besser beim zweiten Mal. "Achtung. Startposition." Es ruckelte und zuckelte. Der Korb erhob sich und fiel zur Seite. Hin und her. Tiefe Schleifspuren im Rasen. Na, das kann ja heiter werden. Ob wir überhaupt heil hochkommen? "Nicht aussteigen. Im Korb bleiben. Keine Fluchtgedanken. Ist das erste Mal in dieser Saison, dass wir fahren." Zaghaftes Gelächter drumherum, vielleicht spielte durchaus manche(r) mit dem Gedanken an Flucht. Dann erhob sich der Ballon in die Lüfte. "Wir gehen schnell auf 300 Meter. Wegen der Bäume". Der Ballon schwebte hoch. "Faszinierend, dieses Null an Höhenangst", meinte Diethard. Ging allen so, auch mir, die ich ich wirklich Höhenangst habe. Mich kriegt man beispielsweise nicht in einen Glasaufzug rein, der mehr als zwei Stockwerke hat.
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